Was tun gegen die Atomgefahr? Fünf Antworten auf Fukushima.

Die atomare Komponente des japanischen Totaldesasters macht aus verständlichen Gründen ganz schön Eindruck. Ob Regierende oder Regierte, so ziemlich jeder sieht sich herausgefordert, irgendwie darauf zu reagieren. Heraus kommt dabei meisten Mist. Im ersten Fall ist das verständlich. Im Zweiten weniger.

1. Konsequenzen? Wieso Konsequenzen?

In den Herrschaftseliten Deutschlands und der meisten etablierten Industrienationen ist heute bloßes Leugnen anders als noch zu Zeiten Tschernobyls eine Minderheitenposition. Berufen wird sich auf irgendwelche Unterschiede, damals den Reaktortyp der Russkies, heute die geologische Besonderheit Japans. „Klar gibt es Risiken, aber was ist heute noch sicher? Unsere Kraftwerke sind so sicher es nur geht, da gibt es nichts zu lernen.“ Wahr ist daran immerhin, dass die wissenschaftliche Gefährdungseinschätzung von Atomanlagen durch Fukushima nun wirklich um kein Jota bereichert wird.

2. Tabulose Überprüfung aller Atomanlagen!

Trotzdem meinen Macher der Atomkraft auf der ganzen Welt, jetzt einen Grund für Nachbesserungen zu haben. In Deutschland spielt der Wahlkampf eine Rolle, sogar das von solchen Sorgen verschonte China lässt aber Sicherheitskonzepte überprüfen und setzt den Bau neuer Anlagen vorerst aus.
Das ist kein Grund für Erleichterung, sondern für Gänsehaut. Dass Merkels „tabuloser Überprüfung“ anders als zugleich behauptet Tabus vorangegangen sein müssen, fällt sogar manchen Pressefuzzis auf. Vielleicht werden wirklich ein paar Fördermaßnahmen für die atomaren Abteilungen deutschen Kapitals in Form von Unterlassung allzu profitunverträglicher Sicherheitsvorschriften einkassiert. Bestimmt nicht alle, die Gründe für die Rücksichten bestehen schließlich weiterhin.

3. Zurück zum rot-grünen Energiekonzept!

Irgendwie muss der Wunsch Vater des Gedankens sein, den rot-grünen Atomausstieg als adäquate Reaktion auf die nukleare Gefährdung von Leben und Gesundheit aufzufassen. Ein solches Motiv wird regelrecht herbeihalluziniert, denn ohne Alternativen wäre man als Wahlbürger ja machtlos.
Die wirklichen Motive brauchen Anhänger dieser Forderung deswegen nicht zu interessieren. Russland war mal ziemlich auf die Rolle eines vom Westen abhängigen Gasstaats reduziert. Der Nahe Osten hat auch schon stabilere Verhältnisse fürs Ölabholen geboten. Es bestand Aussicht, dass neben dem Atomgeschäft auch alternative deutsche Energietechnik über internationale CO2-Reduktionsverträge zum Exportschlager zu wird.
Daran hat sich einiges geändert. Atomenergie ist egal unter welcher Regierung wieder wichtiger geworden für die Nation. Und um die geht es, Radioaktivität hin oder her, auch dem Bürger. Bloß deswegen sind ihm 20 Jahre aktive Restlaufzeit mit Verlängerungsoption schon vorher als das höchste der Gefühle erschienen.

4. Sofort Abschalten!

Der aufrechte Atomkraftgegner ist meist Wutbürger. Wütend ist er über die Pflichtvergessenheit der Mächtigen, die doch seinem Wohl zu dienen hätten, statt mit ihrem Volk russisches Roulette zu spielen. Deswegen geht er auf die Straße und fordert Berücksichtigung. So jemand hält ziemlich viel von seiner Herrschaft. Sonst würde er seine Beschwerde nicht ausgerechnet an die richten, die ihm die beklagten Zumutungen auferlegen. Deswegen landet so einer schnell beim alternativen rot-grünen Herrschaftsprogramm. Oder er entwickelt gleich das nötige Verständnis für die höheren Zwecke, wenn man sie ihm nur freundlich und respektvoll erklärt.
Etwas anders gelagert ist die Variante „Atomausstieg selber machen“. Wer aber Gleise besetzt und Oberleitungen sabotiert, legt sich mit der Staatsmacht auf einem Felde an, auf dem diese einfach unschlagbar ist. Die hochgetriebenen Kosten für die nötigen Großpolizeieinsätze nimmt die auch locker in Kauf. Ihr Atomstandort ist ihr doch ganz andere Kosten und Risiken wert.

5. Alle Räder stehen still…

Der Fukushima-GAU macht aus verständlichen Gründen ganz schön Eindruck. Dass Kernenergie von desaströser Schädlichkeit ist, ist hierzulande noch mehr als zuvor Allgemeingut geworden – wobei mit Superlativen nicht gespart wird. Bei allem Aktionismus wird eine eigentlich nahe liegende Konsequenz aber überhaupt nicht gezogen. Das Allgemeinwesen, das seine Mitglieder zu potentiellen Strahlenopfern macht, fußt auf deren Einsatz und würde ohne diese keinen Tag lang funktionieren. Statt sich transparenteschwingend der Ohnmacht zu überantworten oder zu ähnlich untauglichen Mitteln zu greifen, könnten die Massen der Atomgegner einfach mal zuhause bleiben, bis diese und ähnliche Zumutungen eingestellt und sie selber Herren des Verfahrens sind.
Der Teufel weiß, warum da einfach niemand drauf kommt.


6 Antworten auf „Was tun gegen die Atomgefahr? Fünf Antworten auf Fukushima.“


  1. 1 Anonymous 20. März 2011 um 13:58 Uhr

    Atomenergie ist egal unter welcher Regierung wieder wichtiger geworden für die Nation. Und um die geht es, Radioaktivität hin oder her, auch dem Bürger. Bloß deswegen sind ihm 20 Jahre aktive Restlaufzeit mit Verlängerungsoption schon vorher als das höchste der Gefühle erschien.

    Verstehe ich nicht. (Der letzte Satz schein auch irgendwie grammatikalisch nicht zu stimmen.) Geht es den Bürgern um die Nation? Warum sollen sie damit automatisch die Atomenergie unterschreiben? Oder geht es ihnen gleich um die Atomenergie? Dann aber: warum?

  2. 2 Administrator 20. März 2011 um 22:01 Uhr

    Ach ja, die Tücken mehrdeutiger Referenzen: Der Absatz unterstellt Anhängern des rot-grünen Atomausstiegs Nationalismus.Dass so einer die Gefahren der Kernkraft nicht mag, nehm ich dem ab. Wenn so jemand den Nutzen der Kernkraft für die Nation nicht auch schätzen würde, würde er aber nicht einsehen, sich dem noch 20+ Jahre auszusetzen, oder?
    Danke für den Hinweis auf den Grammatikfehler.

  3. 3 Anonymous 21. März 2011 um 1:37 Uhr

    Ja, stimmt generell – oder er hat einen Arbeitsplatz in der Atomindustrie.

  4. 4 Juli 25. März 2011 um 9:38 Uhr

    Aus der Feststellung, das die „Herrschaftseliten“ machen was sie wollen den Schluss zu ziehen, einfach mal zu Hause zu bleiben, bis einem aus glückseeligen Zufall selber die Entscheidungsmacht über die Verhältnisse zufällt, ist ja an sich schon eine lustige Idee. Das nun aber unter dem Deckmantel einer radikalen Kritik an Staat und Nation auch noch eine Rückkehr zum rot-grünen Atomsicherungskonzept das Wort geredet wird, dann fällt mir dazu nicht mehr viel ein. Diese Mischung aus radikaler Kritik und progressiven Verbesserungsvorschlägen scheint mir jedenfalls an der Sache vorbeizugehen…

  5. 5 Administrator 25. März 2011 um 15:55 Uhr

    An der Sache vorbei geht höchstens obiger Kommentar. Ich bitte doch sehr, sich um ein Mindestmaß an Textverständnis zu bemühen. Einen Appell für die Rückkehr zum rot-grünen Energiekonzept in den Text zu interpretieren, ist eine sicher vermeidbare Glanzleistung. Nochmaliges Lesen gibt auch Hinweise auf den Zusammenhang zwischen Zuhause bleiben und dem Ändern von Verhältnissen.

  6. 6 Juli 27. März 2011 um 9:21 Uhr

    Ja, was ich da gelesen haben will ist mir bei nochmaligem Lesen auch ein mittelgroßes Rätsel. Sorry….

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